Biber fluten die Wiesen

Das Grabensystem rund um Hartmannsdorf kann offenbar seiner Funktion kaum noch gerecht werden. In den schmalen Adern staut sich das Wasser. Teilweise ist es längst über die Ufer getreten und flutet die Wiesen. Eine Mitschuld tragen die zahlreichen Biberfamilien, die in den Gräben Dämme errichten.
Der Hartmannsdorfer Michael Schulz, leidenschaftlicher Angler, Jäger und Naturfreund, bringt es für sich auf den Punkt: Würden die Gräben sachgerecht und vor allem regelmäßig gepflegt, ginge es dem Ökosystem entlang der Müggelspree besser. Etwa 20 bis 25 Biberfamilien leben hier. Sie bauen nicht nur ihre Burgen, sondern auch Dämme, die den ungehinderten Abfluss verhindern, das Wasser aufstauen und über die Ufer auf die Wiesen treten lassen.

Schulz hat zu einer kleinen Stippvisite an drei Gräben eingeladen, die exemplarisch für das System rund um Hartmannsdorf stehen. An vielen Stellen böte sich das selbe Bild. "Der Wasser- und Landschaftspflegeverband ist überfordert, fachlich und organisatorisch. Was er nicht aus eigener Kraft schafft, müsste ausgeschrieben und an Firmen vergeben werden."

Was ist das Problem? Die Staunässe. Für den Laien wirken die Wiesen schön grün, sind mit weißen, gelben und lila Blühpflanzen durchzogen. Was der Fachmann sieht: Vieles, was hier wächst, ist alles andere als zum Verfüttern geeignet. Binsen, Seggen, Hahnenfuß dominieren zunehmend und verdrängen die eigentlich hier vorkommenden Futterpflanzen wie Klee und Lupine. Zudem müssten die Wiesen mehrmals im Jahr gemäht und gemulcht werden - sind sie aber zu feucht, kann die Technik nicht eingesetzt werden. Schulz verweist ebenfalls auf das Erlensterben am Ufer der Gräben. Das alles seien Anzeichen, dass das System aus den Fugen geraten ist. Die aktuelle Situation schädige aber nicht nur die Natur, sondern ebenso die Bauern, da die Wiesen schlichtweg verfaulten - ein wirtschaftliches Desaster.

Manche der Gräben und ihre Seitenbereiche, so sagt Schulz, wurden seit der Wende nicht mehr beräumt und gepflegt. Das Problem seien nicht die Biber an sich, die übrigens im Wolf einen natürlichen Feind gefunden haben. Würden ihre Dämme regelmäßig ein Stück abgetragen, könnte das Wasser im Graben trotzdem fließen. Zerstörte Überfahrten müssten einfach mal beseitigt werden, um sie als Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Laut Schulz würden solche Maßnahmen sicher schon Wirkung zeigen.

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