Besinnliche Stunde vor dem Wachsaltar

Sie ist schon etwas Besonderes, die Honigkirche in Neu Hartmannsdorf. So liebevoll, wie vor fünf Jahren gut 20 Mitglieder der Kirchengemeinde den wabenförmigen Altar in zweiter Auflage aus Bienenwachs gegossen haben, so liebevoll wird das Gotteshaus alljährlich für die Weihnachtszeit geschmückt. Marianne Stein hat mit ihrem Mann Edwin das schmückende Beiwerk am Mittwoch ausgebreitet. Auf dem frisch polierten Altar stehen zwei große Kerzen, ein Krippenrelief - beides natürlich aus Bienenwachs - und ein Strauß aus Koniferenzweigen und blutroten Amaryllisblüten. Dem etwa viereinhalb Meter hohen Tannenbaum, links daneben, verleihen zwei Lichterketten, handgefertigte Strohsterne und Engel aus gefalteten Gesangbuchseiten weihnachtlichen Glanz. Das Gehölz ist ein Geschenk aus Altbuchhorst. "Das klappt schon seit Jahren, wir bekommen Angebote und müssen nicht lange suchen", freut sich Marianne Stein. Das alles können die Besucher an Heiligabend während der Stunde der Besinnung bewundern. Sie beginnt um 22 Uhr und soll für einen ruhigen und friedlichen Ausklang des 24. Dezember sorgen. "Diese Tradition pflegen wir schon seit 30 Jahren, die Kirche ist immer gut gefüllt." In diesem Jahr wird abermals Pfarrer Martin Haupt eine kurze Andacht halten, es gibt eine Lesung, eine besinnliche Geschichte und viel Musik zum Zuhören und Mitsingen. Rechts neben dem Altar haben die Steins einen Tisch und vier Stühle gestellt. "Für die Zitherspieler", erklärt die Neu Hartmannsdorferin. Außerdem erklingen eine Geige und das Klavier. "Die Instrumentalisten kommen alle aus Spreenhagen und musizieren unter der Leitung von Horst Meng." Bei jedem ihrer Handgriffe und in jedem ihrer Worte schwingt Stolz auf ihr Neu Hartmannsdorfer Kleinod. Gern erzählt Marianne Stein Interessierten die Geschichte des Gotteshauses, das bis Mitte der 1980er-Jahre einer Lutheraner Gemeinde gehört hatte. Die wollte es 1986 verkaufen, und die Konsumgenossenschaft hatte schon ihre Fühler ausgestreckt. "Die Kirche bleibt im Dorf, haben wir damals entschieden." Seither gehört sie der evangelischen Gemeinde. 1988 stürzte die alte Holzdecke ein und wurde mit Holzresten aus dem Fürstenwalder Dom wieder hergerichtet. 1992 schuf die Künstlerin Brigitte Trennhaus den ersten Wachs-Altar, weil das Material gut hierher passt. "Der beste Zeitpunkt für einen Besuch ist übrigens Ende Juni, gegen 17 Uhr. Dann leuchtet das Wachs in strahlendem Gold und duftet."
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