Im Notfall für die Tiere unterwegs

Wird an den Weihnachtstagen ein Tierarzt gerufen, steht ihm meist ein schwieriger Weg bevor. Kerstin Hansing hat das mehrfach erfahren. Die 39-Jährige Steinfurterin wirkt in Notfall-Netzen für Kleintiere mit, hatte zum Beispiel im Vorjahr an Heilig Abend und den beiden Feiertagen in Berlin jeweils 12-Stunden-Dienst. Zu sechs bis acht Patienten wird sie in solch einer Schicht gerufen. „Mehr ist schon vom Fahrweg her gar nicht zu schaffen.“ Und sie braucht meist etwas mehr Zeit und Einfühlungsvermögen als bei sonstigen Besuchen. „Zu Weihnachten geht es oft darum, ein Tier zu erlösen“, erzählt sie. Das sei sehr schlimm. Warum das so ist, dafür hat sie eine Erklärung. „Die Leute verbringen mehr Zeit mit ihrem Tier, hatten die Entscheidung vor Weihnachten aufgeschoben und merken dann, dass es nicht mehr geht.“ Die Besitzer versuchten das Unausweichliche über das Fest hinauszuzögern. „Das ist sehr emotional.“ Typisch seien zudem Schokoladenvergiftungen. „Die sind sehr dramatisch.“ Um lebensbedrohlichen Situationen wie Aortenthrombosen, die zu Lähmungen und schließlich zum Tod führen, vorzubeugen, rät sie zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. „Es kann auch junge Tiere treffen. Wichtig ist zum Beispiel, das Herz immer mal abhören zu lassen.“ In der Regel nicht ganz so dramatisch geht es zu, wenn Susanne Benter aus Hartmannsdorf zu Hilfe gerufen wird. Sie widmet sich Großtieren, vornehmlich Pferden. Diese stehen im Stall und damit nicht rund um die Uhr unter der Beobachtung ihrer Halter. Da sind nächtliche Einsätze nicht so häufig wie bei Hund und Katze. Einen Notfalldienstplan gibt es in ihrer Sparte nicht. „Ich versuche immer erreichbar zu sein, habe das Handy grundsätzlich an oder verweise mit einer Ansage auf Kollegen.“ Auch sie hat aber die Erfahrung gemacht, dass die Besitzer meist zu lange warten, bis sie einen Arzt rufen. Hinzu kommt, dass sie viel weitere Wege bis zum Patienten zurücklegen muss. „Es wäre häufig besser, mit dem Tier in eine Klinik zu fahren, was zudem preiswerter ist.“ Die 29-Jährige erinnert sich an einen Weihnachts-Einsatz, als sie noch in Bad Saarow im Pferdezentrum gearbeitet hat. Ausgerechnet über die Weihnachtstage sollte das Fohlen eines besonders wertvollen Tieres zur Welt kommen. „Ich war für die Geburtsüberwachung eingeteilt. Es kam dann aber doch erst später.“ Die beiden Frauen arbeiten seit Oktober 2017 zusammen, haben sich via Facebook gefunden. Ihre fachlichen Kompetenzen ergänzen sich hervorragend. Besonders, wenn es um Pferde geht, denen sich beide widmen, kommt das zum Tragen. Denn während Susanne Benter Schulmedizinerin und Trainerin ist, bringt Kerstin Hansing die Alternativmedizin mit ins Team. Sie hat sowohl eine Ausbildung zur Chiropraktikerin und als auch in physikalischer Gefäßtherapie. „So können wir ein Pferd ganzheitlich betrachten“, sind sich beide einig. Da sie zu ihren Patienten fahren, ist im Kleintransporter stets die komplette Ausrüstung dabei. Susanne Benter verweist auf Utensilien zur Zahnbehandlung, Medikamente, Ultraschall-Gerät, Spritzen und Co. „Da kommt einiges zusammen“, lächelt sie. Die Zwei würden neben dem mobilen Angebot gerne feste Praxisräume nutzen. „Es hat sich aber noch nicht ergeben.“ Dass beide ihren Beruf lieben, das strahlen sie ohne Zweifel aus. Aber, da ist ja auch noch die Familie. Susanne Benter freut sich auf das Weihnachtsfest mit ihrem Mann und dem Töchterchen Isabel (20 Monate). Sie mag es ebenso gemütlich wie Kerstin Hansing mit ihren Söhnen Matti (8) und Mika (15). „Wir werden diesmal Darts spielen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Denn sie hat frei – erst an Silvester steht sie wieder im Notfallplan.
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