2008 Denkmal

Dass es den alten Obelisken überhaupt noch gibt, das sei ein paar beherzten Bürgern zu verdanken, erzählt Bürgermeister Bernhard Baumann (SPD). "Sie haben den Stein in den 60er Jahren beiseite gelegt und damit verhindert, dass er kaputtgeschlagen wurde." Der Obelisk stammt aus den Jahren 1919/20 und erinnerte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Hartmannsdorfer. Derartige Denkmale ließen viele DDR-Oberen seinerzeit beseitigen.

"Wir haben jetzt die Möglichkeit, diesen Fehler zu korrigieren", sagt Bürgermeister Baumann. "Dabei geht es um die Würde", betont er, "um ein würdiges Gedenken an die Leute, die durch den Terror, der von Deutschland ausging, ums Leben gekommen sind." Dabei verweist er auf die ergänzende Tafel, auf der es heißt: "Zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkrieges." Baumann: "Wir gedenken nicht nur derjenigen Hartmannsdorfer, die im Krieg gefallen sind, sondern auch der vielen Menschen, die hier am 22. April 1945 erschossen und erschlagen wurden."

Laut Pfarrerin Friederike Winter unterscheide sich das Denkmal von allen anderen der Umgebung, "weil Hartmannsdorf ein ganz besonderes Trauma hat." An jenem 22. April 1945 rückten die sowjetischen Truppen auf Hartmannsdorf zu, weshalb viele Bürger zur friedlichen Begrüßung weiße Flaggen an ihren Häusern gehisst hatten. "Die Leute hatten gehört, dass ihnen nichts passiere, wenn sie weiße Flaggen raushängen", sagt die Pastorin. Doch da das Ausbildungs-Bataillon der SS-Leibstandarte Adolf Hitler in der Nähe seinen Sitz hatte, sei in den Hügeln vor Hartmannsdorf die SS-Konzentration offenbar noch sehr groß gewesen. "Jedenfalls kamen in der Nacht SS-Leute, die Alte, Frauen und Kinder aus den beflaggten Häusern zerrten und erschossen oder erschlugen." Ein Blutbad, wie der Bürgermeister sagt.

Friederike Winter verweist nun auf den kleinen, neuen Adler, der auf dem Obelisken thront, aber von der Statur her eher einem Täubchen gleicht. "Dass jetzt dieser Stein nicht mehr den riesigen Adler hat und nicht mehr von Kriegern und Helden spricht, das ist das Neue. Ich finde, das ehrt dieses Dorf", so die Pfarrerin. "Die Leute haben eine Ausdrucksform gefunden, dem zu gedenken." Der Bürgermeister ergänzt, dass mit der Tafel auch die Opfer der sowjetischen Internierungslager gemeint sind.

"Es hat ein paar Jahre gedauert, bis das Aufstellen des Steins geklappt hat", so Baumann. Dafür haben Bürger des Ortes 1700 Euro gespendet - mit Beträgen von 4,50 bis 200 Euro. "Eine alte Frau hat gesagt, sie hat nicht mehr, und gab mir dann die 4,50 Euro. Das ist ihr ganz hoch anzurechnen", sagt Baumann mit Hinweis auf deren Mini-Rente. Ein örtlicher Bauunternehmer indessen sponserte Leistungen im Wert von 1600 Euro.

"Wunderschön, dass sich die Hartmannsdorfer um das Denkmal kümmern", lobt auch der Spreenhagener Amtsdirektor Joachim Schröder. Was er aber bei dem Thema gar nicht verstehe, das ist: "Die Bundesrepublik schickt ihre Soldaten nach Afghanistan, und dann wird sich gewundert, das die junge Leute dort fallen." Schröders Fazit: "Das Denkmal hier in Hartmannsdorf ist wunderbar, aber offenbar lernt keiner was aus solchen Denkmälern.

MOZ vom 24.11.2008
Software to publish a newspaper