Kuchen-Stopp am Radweg

Wer am Grundstück in der Hartmannsdorfer Schulstraße 2 vorbei kommt, muss unwillkürlich hinschauen und wird neugierig. Tische und Stühle unter schattigen Bäumen laden ebenso zum Verweilen ein, wie die verlockende Aussicht auf selbst gebackenen Kuchen und frischen Kaffee. Ganz nebenbei kann der Gast sogar eine Portion Kunst aufschnappen, denn das Haus ist bunt bemalt, eine Galerie im Nebengebäude versteckt.

Beim Betreten des Gartens wird der Besucher sogleich von Doris Hollnagel, der Betreiberin von Holly's Galeriecafé, offenherzig in Empfang genommen. "Ich sage du, weil ich dich ohnehin nicht sehen kann", fällt die robuste Frau mit der Tür ins Haus. Premierengäste reagieren zuweilen verdutzt, die Stammgäste aber lächeln dann wissend. Auch sie haben die Hartmannsdorferin einst so erlebt. "Je schlechter meine Augen werden, um so mehr Nähe brauche ich."

Doris Hollnagel legt gleich nach, bietet fünf, sechs selbst gebackene Kuchensorten an - am Wochenende auch mehr - stellt eine Kaffeekanne auf den Tisch und sagt: "Eingießen kann ich nicht." Dann setzt sie sich gern für ein Pläuschchen dazu. Im Gästebuch ist nachzulesen, dass viele diese Gastfreundschaft so sehr schätzen, dass sie immer wieder gern hier Halt machen. Besonders beliebt ist das Angebot der 58-Jährigenbei Radlern, liegt das Galeriecafé doch direkt am Spreeradweg. Derzeit kommt jeden Mittwoch eine andere Reisegruppe Schweizer vorbei. Holländer waren schon hier, Amerikaner und Australier. Und dann natürlich Radler aus der Region. "Da ich nicht mehr raus in die Welt kann, hole ich sie zu mir herein", lautet ihre Devise.

Natürlich werde bei kleinen Pannen geholfen, sagt Doris Hollnagel und verweist auf ihren Mann Wolfgang, der sich ohnehin um die handwerklichen Dinge kümmert, den Garten schick hält und sich dann gern mit einem Stück Kuchen belohnen lässt. "Er erledigt auch den Einkauf. Ich kann das ja nicht, verlasse nicht mal mehr den Hof." Denn nur in ihrem Zuhause, in dem sie sogar geboren ist, findet sie sich problemlos zurecht - "wenn alles an seinem Platz steht, auch fürs Malen." Farbenfroh sind ihre Landschaftsbilder, zeugen von großer Liebe zur Natur, zur Heimat rund um Hartmannsdorf.

Die Malerei, die sie dank einer Therapie für sich entdeckt hat, habe ihr den Lebensmut zurück gegeben. Schon immer schlecht sehend, musste sie 1995 ihren Beruf - sie hat beim Fleischer in Grünheide gearbeitet - aufgeben. Es folgten viele erfolglose Operationen. Seit 2006 gilt sie als blind, kann auf dem rechten Auge nur noch Fragmente sehen. Anmerken lässt sie sich das nicht. Schließlich hat sie ihre Aufgabe gefunden und macht damit zudem ihre Gäste glücklich - sei es mit Kuchen, Kaffee oder einem ihrer Bilder.

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