2012 Pionierarbeit mit Wachs

In der Hoffnungskirche in Neu Hartmannsdorf hat der Wiederaufbau des wächsernen Altars begonnen. Mitglieder der Kirchengemeinde verarbeiten dabei vor allem Spenden von Imkern. Am zweiten Advent soll der neue Altar bei einem Gottesdienst eingeweiht werden.
Den angenehmsten Arbeitsplatz in der kalten Neu Hartmannsdorfer Kirche hat Edwin Stein. Er steht hinter einem großen Gaskocher, wo ihn die Flammen wärmen. Zwei riesige Töpfe hat er vor sich stehen, in denen er rührt. In den Gefäßen ist aber nichts Essbares, sondern Wachs. In steinharten gelblichen Brocken wird es eingefüllt, als heiße flüssige Masse wird es schließlich mit einer großen Kelle abgeschöpft. Edwin Stein handhabt das Wachs wie Glühwein. "Es muss heiß werden, aber es darf nicht kochen", erzählt er.

Wenn er wieder einen Eimer voll abgeschöpft hat, tritt Horst Krauter in Aktion. Mit dem Behältnis in der Hand geht er wenige Schritte, um das flüssige Wachs sodann gleichmäßig auszugießen. Er füllt es in ein großes hölzernes Sechseck, das sich auf diese Weise ganz allmählich füllt. So entsteht nach und nach der neue Altar der Hoffnungskirche.

Der ist nötig, weil das alte Exemplar - ebenfalls aus Wachs und genau deswegen einzigartig - im Frühjahr abgebaut werden musste. Bei einer Kontrolle war bemerkt worden, dass das Holz im Innern des Konstrukts der Berliner Künstlerin Brigitte Trennhaus morsch war. Mit Unterstützung von Imkern startete die Kirchengemeinde Spreenhagen, zu der Neu Hartmannsdorf gehört, eine Spendenaktion. Zusammen mit den Resten des alten Altars stehen nun 900 Kilogramm Wachs zur Verfügung, aus denen der neue gebaut wird.

Anders als beim ersten Mal errichten Mitglieder der Kirchengemeinde das Bauwerk in Eigenregie. "Wir leisten hier Pionierarbeit", sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Christiane Meike. Vorangegangen war eine Phase der Ideenfindung. Es galt herauszufinden, wie das Wachs zu verarbeiten ist und wie der neue Altar aussehen soll. Er wird seinem Vorgänger ähneln. Erinnernd an eine Bienenwabe wird er sechseckig. Er erhält den gleichen Umfang wie das Exemplar von Brigitte Trennhaus und wird lediglich etwas niedriger. Das Wachs umgibt dabei einen massiven Block im Kern des Altars. "Außerdem haben wir den Fußboden gegen Feuchtigkeit isoliert und arbeiten zur Stabilisierung Estrichmetall ein", sagt Krauter. Der neue Altar soll länger halten als der alte, der nur knapp 20 Jahre überlebte.

Gegossen wird das Wachs in eine Verschalung, die der Neu Hartmannsdorfer Tischler Richard Matuschke zu diesem Zweck anfertigte. "Dabei müssen wir langsam vorgehen. Das Wachs schrumpft, wenn es kalt wird, und die entstehenden Risse müssen dann wieder mit heißem Material geschlossen werden", sagt Krauter. Der Pionier ist längst zum Fachmann geworden.

"Am vergangenen Sonnabend, als wir mit den Arbeiten angefangen haben, kamen auch viele Neugierige zum Zuschauen", erzählt Christiane Meike. Wenn alles gut geht, könnten die Wachs-Arbeiter am Wochenende bereits fertig sein. Am 9. Dezember, zum zweiten Advent, soll in der Hoffnungskirche erstmals seit Frühjahr wieder ein Gottesdienst stattfinden. Pfarrerin Friederike Winter will dann den neuen Altar weihen.

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