Windpark-Projekt mit Gegenwind

Die Türme an der A10 sind nicht zu übersehen: Im Wald bei Wernsdorf entstehen zehn Windkraft-Anlagen. Die Firma Abo-Wind preist das Projekt als Musterbeispiel einer umweltschonenden Planung. Eine Bürgerinitiative und der Naturschutzbund Deutschland sehen das anders.
Die Windpark-Bauer brauchen Windstille. Bei Böen können die 64 Meter langen Rotorblätter in einer 134 Metern Höhe nicht montiert werden. Es ist einer der Gründe, warum Projektleiter Zacharias Hahn keinen genauen Termin für die Übergabe der Anlage nennt, von Herbst ist auf der Internet-Seite die Rede. Nach Angaben der Pressestelle investiert Abo Wind mehr als 50 Millionen Euro in das Projekt. 81 Millionen Kilowattstunden klimafreundlicher Strom sollen jährlich produziert werden, wirbt die Firma. "So viel verbrauchen rund 67 000 Menschen in ihren Häusern und Wohnungen."

Das Gebiet sei ideal für einen Windpark - zwischen Oder-Spree-Kanal, Autobahn und einer 110-Kilovolt-Stromtrasse, die als Einspeisepunkt fungiere. Hahn, der sich zu seiner Leidenschaft für erneuerbare Energien bekennt, betont, wie ausführlich die Planung auf die naturräumlichen Bedingungen eingegangen sei.

Die Gegner des Vorhabens überzeugt dies überhaupt nicht. Von "mutwilliger Zerstörung der Natur" spricht Monika Schulz aus Wernsdorf, die mit ihrem Mann Joachim zum harten Kern einer Bürgerinitiative gehört. Sie haben Geld gesammelt, mit dem der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf dem Gerichtsweg versucht, die Inbetriebnahme zu verhindern. Im Auftrag des Nabu hat der Berliner Fachanwalt Karsten Sommer beim Verwaltungsgericht Cottbus ein Eilverfahren gegen die Genehmigungsbehörde, das Landesamt für Umwelt, angestrengt.

Kernargument: Artenschutz-Belange würden ungenügend berücksichtigt. In dem Gebiet gebe es eine ungewöhnlich hohe Vielfalt von Fledermaus-Arten, die Tiere würden von den Windrädern geschreddert. Dagegen seien zwar Maßnahmen vorgesehen, die reichten aber nicht. Hahn verweist dagegen auf gutachterliche Untersuchungen. Die hätten ergeben, dass Vielfalt und Anzahl der Tiere für die Region typisch und durchschnittlich seien. Dennoch schreibe die Genehmigung die maximalen Abschaltzeiten einer einschlägigen Landesrichtlinie vor. So werde ein "verträgliches Nebeneinander von sauberer Stromproduktion und den geschützten Arten" ermöglicht. Der Nabu rügt zudem, die Schutzbestimmungen für den Milan seien nicht beachtet worden. Alle zehn Anlagen hielten mehr als 1000 Meter Abstand zu den Horsten ein, entgegnet Hahn. Auch würden Milane laut einer Raumnutzungsanalyse gar nicht im Wald nach Nahrung suchen, sondern auf Freiflächen.

Aus dem Umweltministerium gibt es mit Verweis auf das laufende Klageverfahren keine Auskünfte. Generell gelte, dass die Auswirkungen auf den Rotmilan bei jedem Einzelfall geprüft werden, teilt Sprecher Hans-Joachim Wersin-Sielaff mit. Das Gericht wolle noch im August entscheiden, sagt Sprecher Gregor Nocon. Sowohl er als auch Nabu-Anwalt Sommer verweisen auf die Möglichkeit von Kompromissen. Nach Auskunft der Regionalen Planungsgemeinschaft Oder-Spree gibt es gleich neben dem Windpark Uckley-Nord eine Fläche von 338 Hektar in der Gemarkung Hartmannsdorf, die als mögliche Eignungsfläche gilt.

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