Christoph Lange angelt vorm Gartentor

Christoph Lange hat es gut. Will er seinem Hobby frönen, muss er nur vors Gartentor treten, einen schmalen Waldstreifen durchqueren und schon steht er am Oder-Spree-Kanal. Hier wirft er regelmäßig seine Angel aus. Alle gängigen Fische hat er schon aus dem Wasser geholt, vom Aal bis zur Plötze, vom Wels bis zum Hecht. Aber, etwas zu fangen, stehe für ihn dabei nicht im Vordergrund, sagt der 82-Jährige. Er müsse damit ja nicht seinen Unterhalt sichern. Er schaue sich mit wachem Blick die Natur an, achte darauf, ob sie intakt ist. "Wir Angler sind kleine Philosophen. Wenn ich am Kanal sitze, was ich am liebsten abends mache, denke ich über Gott und die Welt nach." Er genieße es, dort draußen ganz für sich zu sein, ungestört in sich zu gehen.

Ganz anders verhalte es sich, wenn er mit seinen Freunden vom Hartmannsdorfer Anglerverein auf der Ostsee unterwegs ist. Bei der Herrenrunde gehe es sehr gesellig zu, werde viel rumgealbert, zähle das Gemeinschaftserlebnis.

Dass er zum Angler geworden ist, geht auf seine Kindheit in Gardebusch zurück. Jemand in seinem Wohnhaus war in den Westen gezogen und hatte sein Angelzeug zurück gelassen. Also wurde es ausprobiert und brachte ja auch ein Zubrot. "Für jeden Barsch, jede Plötze, die ich mit nach Hause brachte, wurde ich gelobt." Das habe natürlich Spaß gemacht und ihm Freundschaften eingebracht. "Der älteste Freund war 82 Jahre. Ein sehr netter Mensch. Ludwig Herborth. Er hat mir viel beigebracht." Auch die Sache mit dem Anglerlatein. Denn Herborth pflegte zu sagen: "Alles, was Angeln und Flinten im Haus hat, lügt." Lange muss über solche Weisheiten schmunzeln, trägt sie gerne weiter.

Seinen größten Fisch hat er übrigens mit 18 Jahren gefangen - ein Hecht sei es gewesen, 14 Pfund schwer. "Der hatte schon Moos auf dem Kopf", erzählt er mit verschmitztem Blick. "Das ist Anglerlatein", schiebt er hinterher.

Nach Hartmannsdorf ist Lange, der 1963 zum Berliner wurde, durch seine zweite Frau Ursula gekommen, die hier eine Datsche hatte. Seit den 1980er-Jahren verbrachte auch er seine Wochenenden hier und hat dabei wieder das Angeln für sich entdeckt. 1987 ist er dem Verein beigetreten und nachdem das Paar 1998 dauerhaft in den Ort gezogen war und er 1999 in Rente ging, hat er den Vorsitz übernommen. "Es ist wichtig für ein Dorf, ein paar Vereine zu haben", weiß er. Das halte die Leute zusammen. Und so wolle auch er die Gemeinschaft nicht missen. Etwa 40 bis 50 Mitglieder habe der seine. Vier Mal werde gemeinschaftlich gefischt, zuvor zwei Stunden lang das Ufer am Kanal gereinigt. Hinzu kommt das gesellige Beisammensein, dürfe das Spargelessen in der Dorfgaststätte nicht fehlen.

Dass dies bei folgenden Generationen nicht anders sein wird, da ist er zuversichtlich. Der Nachwuchs zeige beim Angeln erst großes Interesse. In der Pubertät lasse es deutlich nach. Dann folge die Zeit, in der Bindungen eingegangen, Familien gegründet werden. Irgendwann komme aber Langeweile auf. "Ende 20 kommen sie zum Angeln wieder zurück", sagt er mit zufriedenem Lächeln.

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